Zwischen Motette und Matthäuspassion

Die Singakademie Stuttgart auf Bachs Spuren

 

Die Begegnung der Singakademie Stuttgart mit dem Vokalwerk von Johann Sebastian Bach ist keine zufällige, sondern eine gewachsene Beziehung – getragen von Neugier, künstlerischer Reifung und immer neuen Visionen.

Annäherung über die Bach-Familie

Der erste Zugang geschah nicht unmittelbar über Johann Sebastian selbst, sondern über sein weit verzweigtes musikalisches Erbe:
Johann Bach,
Johann Christoph Bach,
Johann Michael Bach und
Johann Ludwig Bach.

In ihren Werken wurde jene geistliche Klangwelt erfahrbar, aus der Johann Sebastian hervorging. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Stil, Textausdeutung und polyphoner Klangsprache entstand ein tragfähiges Fundament, auf dem sich die Singakademie schließlich dem großen Meister selbst zuwandte.

Erste Schritte mit Johann Sebastian

Das erste Werk Johann Sebastians im Repertoire war die Motette „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ (BWV 226).
2013 erklang sie bei einem Wandelkonzert in der Staatsgalerie Stuttgart – ein prägender Moment. Diese Motette begleitet das Ensemble über viele Jahre hinweg, ist und bleibt unser Ankerwerk. Zum 15-jährigen Jubiläum der Singakademie im Jahr 2025 durfte sie daher beim Festkonzert in der Stuttgarter Herz-Jesu-Kirche nicht fehlen – als klingende Erinnerung an einen wichtigen Beginn.

Es folgte als zweite Motette „Komm, Jesu, komm“ (BWV 229), mit der sich das Ensemble in den Jahren 2015 und 2016 intensiv beschäftigte.

2017 stand mit „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ (BWV Anh. 159) ein weiteres Werk im Mittelpunkt. In Konzerten in Tuttlingen und Leonberg erklang diese innige Motette – und beschloss damit, wenn man so will, die erste Bach-Phase der Singakademie Stuttgart.

Die zweite Bach-Phase – 2025

Das Jahr 2025 markiert den Beginn einer neuen Intensivphase mit dem Bach’schen Œuvre.
Den Auftakt bildete eine Bearbeitung der Chorfantasie über Arioso und Arie „Mache dich, mein Herze, rein“ (aus BWV 244) für 12-stimmigen Chor a cappella. Diese Transkription eröffnet der Singakademie einen neuen Zugang zur Musik Johann Sebastian Bachs. Die Uraufführung fand im Frühjahr in Esslingen statt.

Im selben Jahr startete ein weiteres Format: Singakademie concertante. In kleinerer Besetzung widmete sich das Ensemble der Motette „Jesu, meine Freude“ (BWV 227).
In Heilbronn sowie beim Jubiläumskonzert „15 Jahre Singakademie Stuttgart“ im Herbst erklang dieses Werk.

Im Advent 2025 folgte eine weitere Premiere: Erstmals konzertierte die Singakademie mit Chor- und Orchesterwerken Bachs. Zur Aufführung kam das Weihnachtsoratorium mit den Kantaten IV–VI (BWV 248) in der Stuttgarter Pauluskirche, gemeinsam mit Mitgliedern des Sinfonieorchester Ludwigsburg.
Besonders bemerkenswert war, dass die Solopartien mit Ensemblemitgliedern besetzt wurden. Einzige Ausnahme: Der Evangelist war Sam Harris.

Ausblick: Neue Transkriptionen und weitere Höhepunkte

Kurz vor der Uraufführung steht eine weitere Transkription:
Chorfantasie über Arioso und Chor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“ (aus BWV 244) für 12-stimmigen Chor a cappella.
Dieses Werk wird in Konzerten in Schwäbisch Hall und Freudenstadt zu hören sein und führt die intensive Auseinandersetzung mit der Passion weiter.

Am Jahresende folgt die Wiederaufnahme des Weihnachtsoratorium – diesmal mit den Kantaten I–III in der Matthäuskirche Stuttgart.

Das I-Tüpfelchen: Karfreitag 2027

Und dann richtet sich der Blick nach vorn: Karfreitag 2027.
Gemeinsam mit Mitgliedern des Sinfonieorchesters Ludwigsburg bringt die Singakademie Stuttgart die Matthäuspassion (BWV 244) zur Aufführung.
Was als behutsame Annäherung über die Bach-Familie begann, hat sich über Motetten, Transkriptionsprojekte und das Weihnachtsoratorium zu einer tiefen künstlerischen Partnerschaft mit Bachs großartiger Musik entwickelt.
Eine Reise, die zeigt: Bach ist für die Singakademie Stuttgart nicht nur Repertoire – er ist künstlerische Heimat, Herausforderung und Zukunft zugleich.